“Eine Idee muss Wirklichkeit werden können, oder sie ist nur eine eitle Seifenblase”, sagte einst der 1882 in Cannes verstorbene Schriftsteller Berthold Auerbach.

Nur woher stammen die Ideen, die zur Realität oder Seifenblase werden?
Als Autor kann ich antworten, dass ich meist gar nicht weiß, woher meine Geistesblitze kommen. Im Schlaf, beim Spaziergang oder beim Kochen und all den anderen täglichen Aktivitäten schleichen sich die Einfälle in mein Leben. Manchmal sind es aber auch Gespräche, die mich auf bestimmte Gedanken bringen.

Wie saßen im Familienkreis am Esstisch, es gab einen Braten mit Klößen und mein Sohn aß mit Appetit, während er ausführlich von seinem Studium in England berichtete. Mit glänzenden Augen erzählte er von Reiseplänen, die er mit einem Kommilitonen gesponnen hatte. Nach dem Studium wolle er mit ihm in einem Geländewagen die Seidenstraße bis nach China befahren.

Während mein Sohn seinen Master-Studiengang in Bradford absolvierte, arbeitete ich an meinem Manuskript zu “Ein Bestatter auf der Flucht”. Mein Protagonist war in eine Lebenskrise geraten und entschied, sich ein Sabbatjahr zu gönnen. Weg aus dem Bergischen Land, dem Leben eine neue Richtung geben, anderen Kulturen begegnen und die Seele baumeln lassen. Das war die Prämisse für die Romanhandlung.

Aber was und wohin?

Das Gespräch am Esstisch pflanzte den Keim einer Idee, die ich immer weiter verfolgte. Konnte man die Seidenstraße mit einem Citroen 2CV befahren? Einer Ente, die mit 29 Pferdestärken motorisiert war?

Ich recherchierte, räumte alle Steine aus dem Weg und schickte schlussendlich den Bestatter Ulrich Schwartz mit seiner grünen Sauss-Ente auf die Reise.
Für ihn war die Idee nun keine eitle Seifenblase mehr. Er hatte sich auf den Weg gemacht.

Doch was machte diese Idee mit mir? Wie sollte ich den nächsten Band schreiben, wenn ich noch nicht einmal die Reisestrecke kannte und keinem der Menschen auf dem Straßennetz im Orient begegnet bin?

Die Reiseidee begleitete mich während der Schreibphase und bekam eine Eigendynamik, von der mir bald klar war, dass sie nach der Buchveröffentlichung auch mein Leben verändern würde.

Als Vater der Romanfigur würde ich mich auf den Weg machen und Ulrich Schwartz folgen. Dieser Gedanke elektrisierte mich, ja, er setzte mich dauerhaft unter Strom.

Diese Idee würde Realität werden. Da war ich mir sehr sicher.

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