Türkei

Acht Wochen war ich nun mit meiner Kasten-Ente unterwegs und rollte langsam vor den Schlagbaum der türkischen Grenze. Ein Polizist nahm meinen Personalausweis an sich und legte ihn auf den Scanner. Gleichzeitig kamen Zöllner an das Fahrzeug und schauten neugierig durch die Scheiben.

Während des digitalen Abgleichs meiner Daten wurde ich gefragt, woher ich komme. Bergisch Gladbach, antwortete ich in der Erwartung, die Gegenfrage zu erhalten, wo diese Stadt denn läge. „Da bin ich zur Schule gegangen“, strahlte der Grenzpolizist. Die Formalitäten waren vergessen. Er erzählte von seinen Jungendjahren, als er die Hauptschule am Ahornweg besucht und am Sander Weg gewohnt hatte.
Die Welt ist ein Dorf.

Von da an reiste ich durch das Herzlichste aller Länder. Hinter dem Schlagbaum nahmen mich die Grenzsoldaten in die Arme. Ich war froh, dass sie vorher die Maschinenpistolen abgelegt hatten. Sie beherrschten keine Fremdsprache, aber freuten sich wie Kinder, dass ich ihr Land besuchte.

Es war ein erhebendes Gefühl mit der Kasten-Ente den Bosporus über die Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke zu überqueren. Die Hängebrücke verbindet den europäischen Kontinent mit dem asiatischen. Der Motor tuckerte zuverlässig, und ich vergaß, dass ich bereits seit einer Stunde im Stau stand. Straßenhändler flitzten zwischen den Autos hin und her, um Wasser und Sesam-Brezel zu verkaufen. Zwölf europäische Länder mit vielen Erlebnissen lagen hinter mir. Es erwarteten mich nun asiatische Kulturen. Zudem freute ich mich, meine Frau wiederzusehen, die in wenigen Stunden im asiatischen Teil Istanbuls landen würde. Wir verbrachten drei Tage in der drittgrößten Stadt der Welt. Fragte ich Einheimische nach der Einwohnerzahl, schwankten die Angaben zwischen zehn und zwanzig Millionen. Die Metropole war schön und erschreckend zugleich. Sie trumpfte mit ihrer langen Geschichte auf, die uns an jeder Straßenecke begegnete. Gleichzeitig brauchten wir Zeit, uns an die Menschenmassen und die damit verbundene Geräuschkulisse zu gewöhnen. Dennoch ging auch hier die Herzlichkeit der Menschen weiter.
Ganz ehrlich: Mir reichten drei Tage in diesem Gewimmel.

Als ich Istanbul auf der Autobahn Richtung Osten verließ, sah ich zunächst Industriegebiete, bevor sich die Natur leise ankündigte. Eine Berglandschaft wie im Schwarzwald spendete Ruhe.

Ich wurde eingeladen, in einem Polizeihotel bei Bolu zu übernachten.

Von da aus reiste ich ans Schwarze Meer und rollte an der Küste ostwärts. Es wird vermutet, dass das Schwarze Meer diesen Namen erhalten hat, weil eine vermehrte Bildung von Eisensulfiden es eher schwarz erscheinen lässt.

Bei Samsun parkte ich neben dem Randstreifen der Autobahn und kletterte über die Leitplanken. Warum? zum einen ist das in der Türkei üblich. Zum anderen meinte meine Nachmittagsbegleitung, in dem Restaurant auf der anderen Seite gäbe es das leckerste Menemen.

Menemem ist eine Spezialität der Region und wird aus frischen Tomaten, Peperoni, Eiern, Käse und einer geheimen Mischung von Gewürzen zubereitet. Es wird verquirlt und mit Fladenbrot aus der Pfanne gegessen.

Am Schwarzen Meer entlang tastete ich mich bis an die türkisch-georgische Grenze heran.

 

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