Praktikanten bei der Polizei

Warum Unbeleckte häufig zu Romanfiguren avancieren

Kürzlich fragte mich eine Krimiautorin: „Vielleicht kannst du mir mit ein paar Infos für eine Kurzgeschichte weiterhelfen? Gibt es Volontäre/Praktikanten o. Ä., die relativ unbeleckt in ein Kommissariat kommen? Wie unbeleckt sind die?“

Es gibt kaum einen Drehbuchstoff und kaum einen Kriminalroman, der auf Anwärter/innen oder Praktikanten/innen verzichtet. Sind doch diese Figuren, die häufig simpelste Fragen stellen, hervorragend geeignet, dem Leser schwierige kriminalpolizeiliche Inhalte in einfachster Form zu erklären.

Gibt es diese Youngster tatsächlich im polizeilichen Alltag? Diese Frage lässt sich nur im Zusammenhang mit der recht komplizierten Laufbahn der Polizeibeamten erklären.

Wie in jedem Beruf werden auch bei der Polizei Nachwuchskräfte ausgebildet und eingeführt, wobei ein ausgeklügeltes Gesetzeswerk ihren Einsatz in der Praxis genau definiert. Bei der Polizei gibt es drei Laufbahngruppen, die eine unterschiedliche Ausbildung mit integrierten Praktika erhalten.

Noch gibt es in Bayern den mittleren Dienst. Das sind die Beamten, die anfangs mit grünen Sternen auf ihren Schulterklappen ausgestattet werden. Der Anfangsdienstgrad der „Grünlinge“ ist der des Polizeimeisters. Während einer zweieinhalbjährigen Ausbildungszeit werden sie tageweise in den Einzeldienst, also den praktischen Polizeidienst geschickt, um die mit integrativen Lehr- und Lernmethoden eingeübte Rechtstheorie „auf der Straße“ auszuprobieren.
Natürlich erfolgt dieses Schnuppern im echten Leben unter Anleitung eines erfahrenen Polizisten, der für diese Tätigkeit pädagogisch geschult wurde und im Fachjargon „Tutor“ heißt.

Früher war der Kommissar ein Polizist mit Führungsaufgaben, zumindest -anteilen. Seit 2002 werden Polizeibeamte in NRW ausschließlich im gehobenen Dienst eingestellt, mit der Folge, dass nur noch Abiturienten diese Laufbahn einschlagen können und mit dem Anfangsdienstgrad „Kommissar“ als Gesetzeshüter agieren: Kommissare bei der Verkehrskontrolle, Kommissare mit Schutzschild und -helm bei einer Demo, Kommissare als Ermittler bei der Verbrechensaufklärung. Silbersterne blitzen bei den uniformierten Polizei-Kommissaren auf den Schulterklappen. Auch zivile Ermittler sind Kommissare, allerdings Kriminal-Kommissare mit gleicher „Lohntüte“.

Kommissare beginnen ihre Laufbahn auf der Fachhochschule. Ihre erste Beamtenwoche verbringen sie in einem „Eingangspraktikum“. Da haben wir sie wieder, die Praktikanten. Völlig unbeleckt und nur mit Krimi-Wissen als Rüstzeug nehmen sie ihren ersten Kontakt mit den Streifenbeamten auf. In der Regel wird man versuchen, sie vor dem Kontakt mit Verbrechern zu schützen. Nicht immer gelingt das, toller Stoff für Krimis!

Die Ausbildungsordnung sieht Studienabschnitte/Praktika mit folgendem Ablauf vor:
– Fachwissenschaftlicher Studienabschnitt: 31 Wochen
– Fachpraktikum: 19 Wochen
– Fachwissenschaftlicher Studienabschnitt: 18 Wochen
– Fachpraktikum: 32 Wochen
– Weiteres Fachpraktikum in einer anderen Dienststelle: 18 Wochen
– Fachwissenschaftlicher Studienabschnitt: 10 Wochen – Abschlusspraktikum: 8 Wochen

Also auch hier wieder viele Möglichkeiten, in Kriminalromanen mit Praktikanten zu arbeiten, wobei diese je nach Studiendauer sehr unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen haben werden.

Die Beamten des höheren Dienstes sind an den goldenen Sternen auf ihren Schulterklappen erkennbar. Polizeirat und später -direktor wird, wer sich im gehobenen Dienst bewährt und ein bestimmtes Auswahlverfahren mit Studium an der Polizei-Hochschule in Münster absolviert hat.
Auch können Juristen, die die zweite juristische Staatsprüfung bestanden haben, in den höheren Dienst aufsteigen. Sie werden in Praktika auf ihr zukünftiges Aufgabengebiet vorbereitet.

Wer weitere Einzelheiten über die Ausbildungs- und Praktikumsmodalitäten der Polizei erhalten möchte, kann die juristischen Bibliotheken der Universitäten aufsuchen und dort das Gesetzes- und Verordnungswerk der Polizei einsehen (vor allem Laufbahnverordnung sowie Ausbildungs- und Prüfungsverordnung).

© by Reiner M. Sowa 2001

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