Kroatien – Erster Eindruck

Über die Anfänge der Seidenstraße rollte die Ente von der slowenisch-kroatischen Grenze bis nach Rijeka. Ich hatte die Vorstellung, die Hafenstadt zu erkunden, dort essen zu gehen und mir dann ein lauschiges Schlafplätzchen am Meer zu suchen.

Was gibt es Schöneres als morgens die Gardinen vor den Entenscheiben zur Seite zu schieben und als erstes die Weite der See zu erblicken? Da ist sie wieder: meine Seensucht, die nach Erfüllung sucht. Woher diese Seensucht kommt? Das ist schwer zu erklären. Einmal entdeckt, einmal darin geschwommen, einmal darin getaucht und ich kam nicht mehr davon los. Selbst nach Winterstürmen mit heftigem Wellengang, die mich mit Kälte und Unnahbarkeit abwiesen, kehrte ich jedes Mal zurück. Egal, wo ich bin, suche ich die Nähe zur See – manchmal nur in Tagträumen.

Rijeka lag am Mittelmeer. Dennoch war ich enttäuscht. Diese Hafenstadt entpuppte sich als eine Stadt mit einer Architektur, die befremdlich war. Das erinnerte mich zu sehr an Bergisch Gladbach. Oder gefällt Ihnen wirklich die Gestaltung des Parkhauses vor dem Kaufland oder die der Rhein-Berg-Galerie?

Darüber hinaus war Rijeka auch noch dreckig. Hier wollte ich nur so lange wie nötig bleiben.

Ich parkte die Ente am Hafen und stellte fest, dass ich ohne kroatischen Kuna keinen Parkautomaten bedienen konnte. In der Fußgängerzone fand ich eine Post. Die Dame am Schalter sprach kein Deutsch, konnte aber mit heftigem Kopfschütteln antworten, als ich fragte, ob dies ein guter Umtauschkurs sei. Sie rief eine Kollegin um Hilfe, die ein Blatt Papier aus dem Drucker nahm und mir die Lage einer privaten Geldwechselagentur skizzierte.

Nett sind die Menschen in Rijeka, fand ich. Wieder eine Ähnlichkeit mit Bergisch Gladbach.

Tatsächlich hatte die private Wechselstube einen besseren Kurs, denn ich bekam für 100 Euro drei Kuna mehr. Das sind umgerechnet etwa 0,40 Euro. Aufwand und Mühe standen in keiner Relation zum Ertrag. Nicht für mich. Der Kroate allerdings versucht immer den größten Gewinn zu erzielen; das sollte ich auf meiner weiteren Reise noch lernen.

Mit 750 Kuna im Portemonnaie startete ich den Entenmotor und rollte weiter – bis auf eine Insel: Krk. Dieses Eiland war über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Sie dürfen dreimal raten, was mich erwartete. Richtig! Eine Mautgebühr. Eine kurvenreiche Landstraße führte bergauf und bergab durch eine Landschaft, die sehr monoton wirkte. Nachts erreichte ich den Hauptort Krk. Die Luft war warm. Ein Sternenhimmel über mir.

Endlich auf der Insel. Robinson Crusoe lässt grüßen.

Wenn die Sonne aufgehen wird, wird meine Seensucht verschwinden, weil ich angekommen bin und eintauche in die mich umgebende See …

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