Begegnungen mit Globetrottern

Begegnungen zählen zu den schönsten Erlebnissen des Reisens. Da kann die Landschaft noch so großartig, ein Bauwerk noch so prächtig, ein Restaurant noch so hervorragend sein – die Begegnungen müssen passen, erst dann wird die Reise als Ganzes stimmig.

Ein Abhaken von Sehenswürdigkeiten nach Reiseführer kommt für mich nicht infrage. Die Landkarten, die ich zu Beginn ins Acadiane-Regal gestellt hatte, habe ich mittlerweile im Altpapier entsorgt. Nun reise ich nach den Himmelsrichtungen und frage die Menschen nach dem Weg.

So ist das Ziel meiner langen Reise nicht der Ankunftsort – es sind die Menschen unterwegs, mit denen ich Kontakt habe.

Es gibt eine Gruppe Menschen, der ich sehr gerne begegne: Globetrotter.

Mit ihnen habe ich gemeinsam, dass auch sie den Weg zum Ziel haben. Sie reisen zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad, dem Motorrad oder mit dem Auto, meist mit sehr wenig Gepäck, aber mit um so mehr Zeit.

Ich habe keine Scheu auf Menschen zuzugehen, egal welcher Nationalität sie sind. Die Kasten-Ente ist ein Sympathieträger, weshalb ich überall auf dieses eigenartige Fahrzeug angesprochen werde, sodass sich Kontakte mehr oder weniger zwangsläufig ergeben.

Auf dem Campingplatz Maslina in Buljarica/Montenegro lernte ich Felix Koch kennen. Er stammt aus Münster und hat sich nach dem Studium ein Jahr Zeit genommen, um auf seinem Motorrad bis in den Oman und wieder zurück zu fahren. Dabei bevorzugte er für sein geländegängiges Zweirad Schotterpisten. Sein Traum ist es, in der iranischen Wüste sein Zelt aufzuschlagen, um ihn herum keine Menschen, keine Gebäude, sondern nur der Horizont der weiten Wüste.
Er verabschiedete sich von mir mit den Worten: „Wir sehen uns in der Türkei.“
Ich bin gespannt.

Felix‘ Reise-Blog gibt es hier: www.motorrad-adv.blogspot.de.

In Dubrovnik begegnete ich den Studentinnen Karolina. Zwei Frauen mit gleichem Vornamen. Das fand ich sehr praktisch. Sie stammen aus Polen und erkundeten die Schönheit des Südens. Wir sahen uns häufiger in der Altstadt und hatten viel Spaß am gegenseitigen Fotoshooting zwischen den alten Steinen Dubrovniks. Wer sich an das Foto „Herausforderungen“ erinnert … es ist am Karolina-Tag entstanden.

An der Bucht von Kotor lernte ich Christian Johannes Bartels kennen. Er strahlte vor Glück, als er mit seinem Rennrad auf dem Parkplatz mit dem großartigen Panorama hielt. Mit nur einem winzigen Rucksack auf seinem Rücken ist er von München aus nach Montenegro geradelt und am Ziel seiner Reise angekommen. Er bebte vor Freude, das geschafft zu haben. Was für eine Leistung! Dagegen ist eine Reise mit der Ente ein Kinderspiel. Chapeau, Christian!

Später, auch in Montenegro, lernte ich zwei Menschen kennen, die noch mehr Energie und noch mehr Zeit hatten als Christian: Ruth Coene und Filip Mennes. Das belgische Pärchen hatte seine Räder mit dem Nötigsten ausgestattet und war unterwegs in den Tibet. Ein Jahr wollten sie so die Welt erkunden.
Sie schliefen auf Campingplätzen, in der Wildnis, Pensionen und Hotels, je nachdem, was sich gerade ergab. Da deren Reisestrecke sich mit meiner in Teilen überschnitt, fielen beim Abschied die Worte „bis bald mal!“.

Tatsächlich haben wir uns wiedergetroffen. Als ich in Tirana/Albanien auf der Suche nach einer Bleibe war, begegneten mir Ruth und Filip in einem Vorort. Was für eine Freude!
Ob wir uns noch einmal treffen werden? Vielleicht im Iran oder in Indien. Wer weiß?

In Kavala/Griechenland gab es eine Begegnung mit Brandenburgern: Reno Zech und Patrick Lemke. Der Student der Raumfahrttechnik und der Wirtschaftsingenieur bereisten mit ihren Motorrädern Südosteuropa. Mit Begeisterung erzählten sie von ihren Erlebnissen in Rumänien und Bulgarien. Renos 20 Jahre alte BMW mit Vergasertechnik und fast 100.000 km auf dem Zähler machte Schwierigkeiten beim Anspringen. So durfte ich ein Motorrad anschieben, was auch nicht jeden Tag passiert.

Gute Reise euch beiden!

Nicht zu vergessen ist das Zusammentreffen mit drei Spaniern, die mit Flugzeug und Mietwagen den Balkan „unsicher“ machen. Eine lustige Truppe, die die Acadiane faszinierte. Sorry, dass ich eure Namen vergessen habe.
Ich schrieb diesen Artikel in Griechenland. So habe ich nach der Begegnung mit euch vier weitere Länder bereist und Vieles erlebt.

Aber was sind Namen gegen die Einzigartigkeit einer Begegnung?

Ich danke euch allen für die gemeinsame Zeit. Vielleicht, ja vielleicht treffen wir uns irgendwo auf dieser wunderbaren Welt leibhaftig wieder.
Falls nicht, gibt es noch die Krücke Internet zum Informationsaustausch. Auch wenn wir, die wir gemeinsam gelacht, gegessen oder am Strand gewesen waren, wissen, dass der Internet-Kontakt etwa die Qualität einer Fast-Food-Mahlzeit hat.
Die Nähe des persönlichen Gesprächs ist nicht zu überbieten!

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