Anatolien und Kurdistan

Ich kehrte aus Georgien in die Türkei zurück. Als erstes besuchte ich das Yula-Restaurant in Hopa. Dort gab es frischen Fisch aus dem Schwarzen Meer. Wieder einmal wurde ich mit einer fantastischen Mahlzeit verwöhnt.

Zunächst rollte ich durch eine wunderschöne Herbstlandschaft, die dann weiß wurde. Auf 2500 m Höhe lag im anatolischen Gebirge bereits der erste Schnee.

Die Kasten-Ente schaffte die Steigungen nur im ersten Gang. Es war mühsam. Für eine Strecke von 50 km brauchte ich sechs Stunden. Ein Steinschlag in der Windschutzscheibe machte mir Sorgen. Ohne Scheibe durch die eisige Kälte zu fahren, war keine angenehme Vorstellung. Noch nie war ich durch so einsame Regionen gefahren. Ich hatte einen Rundblick von etwa 50 km. Keine Häuser. Keine Menschen. Nur diese Straße, die mich immer weiter ins Niemandsland führte.

Als ich mich Armenien näherte, erfuhr ich, dass der Grenzübergang gesperrt sei. Eventuell könne ich weiter südlich bei Tuzluca ins Nachbarland einreisen. Aber auch dort war der Schlagbaum geschlossen. So blieb mir nur noch der Weg durch Kurdistan in den Iran.

Ich hatte die vielen gut gemeinten Warnungen im Hinterkopf, die fast täglich bei mir eingingen. Allerdings waren die Absender nie in Kurdistan gewesen. Deren Informationsquelle waren die Medien gewesen. Selbst die Autoren der Artikel über das Krisengebiet hatten oft keinen direkten Kontakt zum Land. Meine Strategie ist die der langsamen Annäherung. Dabei spreche ich mit möglichst vielen Einheimischen und versuche, die Situation auf meinem Reiseweg zu erfassen. Auf diese Weise rollte meine Ente aus türkischen in kurdische Gebiete.

Ich fühlte mich in keinem Augenblick gefährdet und machte in Doğubeyazıt Station. Zwei Tag blieb ich in der kurdischen Stadt. Ich führte viele Gespräche mit Kurden, auch über türkisch-kurdische Politik und die aktuelle Situation im Bürgerkrieg in Syrien. Immer erlebte ich sie gastlich und hilfsbereit. Das Kurdenland wirkte im Vergleich zur restlichen Türkei wesentlich orientalischer. Doğubeyazıt lernte ich als eine sehr staubige Stadt kennen. Viele Menschen und viele Autos, wo ich nur hinschaute. Dass das noch potenziert werden konnte, sollte ich im Iran erfahren.

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