Albanien – Begegnungen in den Bergen

Nach zwei Tagen in der Hauptstadt Tirana erhielt ich von der Familie Kuka eine Einladung in die Bergregion Diber. Sie liegt an der mazedonischen Grenze mit Höhenzügen von bis zu 2300 m.Die Fahrt dorthin war abenteuerlich. Wir verließen die asphaltierten Straßen und fuhren über Geröll- und Schlammpisten in eine Gegend, die mir unbewohnbar schien. Es war eine Zickzackfahrt von Berg zu Berg, über marode Flussbrücken und durch Täler.

Ich verlor jegliche Orientierung. Wir erreichten das Ziel auf 1300 m Höhe: eine Käserei. Hier produzierte die Familie Kuka Ziegenkäse, hielt Schweine, Hühner und natürlich Hütehunde.

Dort lernte ich Albaner kennen, die diese Berge noch nie verlassen hatten. Ich zog über mehrere Gehöfte und begegnete sympathischen Menschen, die in einer Einsamkeit lebten, die ich bisher so nicht erlebt hatte.
In einem Caravan saßen wir Stunden bei Ziegenkäse und Raki.

Nachts heulten die Wölfe und wurden von den Hofhunden verbellt. Dennoch hat die Moderne in den Bergen Albaniens Einzug gehalten. Alle, auch die Alten, besaßen ein Handy und ein Facebook-Konto. Es war ein eigenartiges Bild, als mir eine Frau begegnete, die ein Pferd führte, auf dem ihr Mann saß und sein Smartphone bediente.

Das Frühstück mit türkischem Kaffee und Raki gab es bei der Familie Marku. Zum Familienfoto durfte die Großmutter nicht fehlen, die bereits bettlägerig war. Einige Tag nach der Abfahrt erfuhr ich, dass sie verstorben ist.

Der Morgenkaffee mit Raki ist nicht ungewöhnlich in den einsamen Bergen.

Auch die Familie Ndreu “frühstückte” mit mir Stunden. Marjana und Tim sorgten dafür, dass die Gläser und Tassen nicht leer wurden.

Mit dabei war auch Urgroßmutter Aishe, eine der ältesten Frauen des Landes. Die Enkel zeigten mir ihren Ausweis, der noch in den sozialistischen Zeiten Albaniens ausgestellt worden war. Sie war 106 Jahre alt.

Als ich nach zwei Tagen die Bergregion in Richtung Mazedonien verließ und mich in einem Café in meine Facebook-Seite einloggte, entdeckte ich Likes von Berg-Albanern. Wie schön, dass heutzutage Kontakte auf diese Weise weitergeführt werden können.

Faleminderit!

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